Mediation im Scheidungsverfahren

I. Was ist Mediation?

 

Im Falle von Trennung und Scheidung ergibt sich für die Beteiligten eine Vielzahl
von Problemen rechtlicher und persönlicher Art. Rechtlich geht es um die Trennung
und die Scheidung als solche sowie die Trennungs- und Scheidungsfolgen wie
Unterhalt, Sorgerecht, Umgang, Güterrecht, Ehewohnung, Steuerfragen etc..
Daneben stellen sich vielfältige Fragen persönlicher Art wie die Ausgestaltung der
Zukunft der einzelnen Beteiligten und der Familie insgesamt.

Oftmals sind diese Fragen derart komplex verwoben, so dass rein juristische
Lösungen zu kurz greifen und den Beteiligten unbefriedigend, fremdbestimmt und
im Einzelfall sogar unfair erscheinen. Aus diesem Grunde wählen immer mehr Trennungs- und Scheidungspaare den Weg
der Mediation.

 

1. Die Mediation ist ein Verfahren zur außergerichtlichen Konfliktregelung. Das Besondere daran ist folgendes:

 

  • Die Partner entwickeln selbständig und gemeinsam mit Hilfe eines
    neutralen Dritten, des Mediators, eine Regelung zu den anstehenden
    Trennungs- und Scheidungsfolgen wie elterliche Sorge, Umgangsrecht,
    Unterhalt, Vermögensauseinandersetzung, Wohnen etc.. Dabei sind
    sie gemeinsam die Entscheidenden und delegieren die Lösung nicht
    auf Rechtsanwälte oder Richter.
  • Die Mediation hilft bei einer fairen Trennung bzw. Scheidung samt der
    Regelung von deren Folgen.
  • Die Mediation ist nicht gegnerisch sondern partnerschaftlich. Es
    soll dabei keinen Gewinner und keinen Verlierer geben, sondern zwei
    Gewinner, im Gegensatz zum Urteil, zum Vergleich und auch zum
    Kompromiss.
  • Die Mediation ist wechselseitig. Eine Vereinbarung kommt nur dann
    zustande, wenn beide Partner den Lösungen zustimmen.
  • Die Interessen der Kinder werden gewahrt. Ihnen bleiben trotz der
    Trennung ihrer Eltern Vater und Mutter erhalten. Ihre Eltern und nicht
    etwa ein Gericht oder Rechtsanwälte treffen die für ihr Leben und ihre
    Zukunft wichtigen Entscheidungen. Damit bleiben die Eltern auch
    weiterhin in vollem Umfang in der Elternverantwortung trotz der
    Trennung bzw. Scheidung und geben diese nicht – auch nicht teilweise –
    an staatliche Instanzen ab. Sie werden bei selbständig getroffenen

 

2. Regelungen im Interesse der Kinder auch in der Zukunft besser
kooperieren.

 

  • Die Mediation ist keine Ehe- oder Familientherapie. Es geht nicht um die
    Aufarbeitung der Trennungsgründe und jeweiligen emotionalen Defizite.
  • Das Ziel ist eine faire, tragfähige sowie bindende Vereinbarung für die
    Zukunft aller Beteiligter.

II. Wer ist Mediator ?

 

Im familienrechtlichen Bereich sind Mediatoren zumeist Rechtsanwälte mit
entsprechendem familienrechtlichen Tätigkeitsbereich, insbesondere Fachanwälte
für Familienrecht, aber auch Psychologen oder Sozialpädagogen.

Der Mediator sollte eine umfassende, über 200 Stunden dauernde Ausbildung an
einem der anerkannten Ausbildungsinstitute für Familienmediation absolviert haben.
Der Mediator hat die Aufgabe, das Gespräch als neutraler / allparteilicher Dritter zu
begleiten und gem. den Regeln der Mediation zu strukturieren, wozu die Einhaltung
der Grundregeln und die für das Mediationsverfahren notwendigen Schritte gehört,
s. u..Der Mediator wird per Stundenhonorar bezahlt.

III. Was geschieht in der Mediation?

 

1. Dauer
Das Verfahren dauert ca. 6-12 Sitzungen.

2. Grundregeln mit Kontrakt
Zunächst macht der Mediator die Partner mit den Grundregeln
bekannt.
Diese sind insbesondere:

  • Neutralität des Mediators,
  • Freiwilligkeit der Teilnahme,
  • Offenheit und Vertraulichkeit,
  • Gesprächskultur, etwa: ausreden lassen, jeder kommt dran,
    spezielle Fairnessregeln etc. .

Diese Grundregeln werden besprochen und schriftlich in einem Mediationskontrakt
vereinbart.

3. Bestandsaufnahme
Danach erfolgt ohne jede Bewertung die Bestandsaufnahme, nämlich
Auflistung der Fragestellungen und Probleme, Standpunkte, Un- /Einigkeiten, Gemeinsamkeiten etc..

4. Erarbeitung der Interessen
Schließlich werden die hinter den kontroversen Positionen
liegenden Interessen beider Partner herausgearbeitet, womit wesentliche
Kommunikationsprobleme abgebaut werden können.
Dies ist in der Regel das Kernstück der Mediation, da sich häufig zeigt, dass die
Interessen der Beteiligten diffus und ihnen noch nicht wirklich deutlich sind.
So sind ihnen die jeweiligen Interessen des anderen oft gar nicht oder nicht
vollständig bekannt oder gar verständlich.
Daneben bestehen aber auch oftmals bei den Wünschen, Zielen und Interessen für
die eigene Zukunft der Teilnehmer Unklarheiten.

5. Lösungsvorschläge / Optionen
In der nächsten Phase der Mediation werden gemeinsam und ohne Bewertung
Lösungsvorschläge gesammelt.
I. d. R. wird jetzt die parteiliche Beratung durch Fachleute ( Rechtsanwälte, Steuerberater etc.) erforderlich.

6. Lösungsfindung
Die Lösungsvorschläge / Optionen werden gemeinsam diskutiert und erarbeitet,
wobei die Interessen beider Partner (s. 4.) durch die Vereinbarung gewahrt sein
sollen.
Diese Wahrung der beiderseitigen Interessen in der Vereinbarung ist der
wesentliche Vorteil der Mediation gegenüber Urteilen und Beschlüssen und sogar
auch gegenüber Kompromissen wie etwa per gerichtlichen Vergleich. Beim
Kompromiss kommt jeder dem anderen entgegen, hat aber nicht immer sein
Interesse in die Regelung integrieren können.

In einem gemeinsamen Memorandum wird die Lösung schriftlich
festgehalten und den beratenden Rechtsanwälten zur Prüfung vorgelegt.

7. rechtliche Verbindlichkeit
Schließlich wird der Vertrag endgültig formuliert und entweder
durch notarielle Beurkundung oder durch gerichtlichen Vergleich
rechtlich verbindlich.

8. „TÜV“
Die Bedürfnisse der Beteiligten, insbesondere der Kinder, ändern sich im Laufe der
Jahre. Viele Paare einigen sich deshalb darauf, die getroffene Vereinbarung in gewissen
Zeitabständen gemeinsam neu zu überprüfen und im Falle von Differenzen wieder
die Mediation aufzunehmen.